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Elastisch

Du kennst diese Gedanken,
die sich gleich Silhouetten
beidseitig der Seide ranken,
diese gespannte Tortur,
lippenweicher Ketten,
wahnsinnierend elastisch,
grenzwandelt eine Kontur
werdend: unerhört plastisch,
und deine Haut:
sensitiver,
letztendlich
ist es die Mitte
und tiefer
als die Bitte,
mach dich
frei

wie ich dich will,
so ohne Namen,
ist die dünne Schicht
wandelnd still,
und bricht und bricht
bisher nicht.

1.12.06 15:48, kommentieren



Flammen, mehr

Ohne Sehnen hätte die Scheide
nicht die Entzündung
in deren Flammen dein Öl fließt,
den Durst anheizt
und eindringlich
nach dem Grund
Wasser verlangt,
dass schon an die
Oberfläche leckt.

2.12.06 12:32, kommentieren

Sie und sie

In der queren Gasse
stand Sie, drehte sich weg,
auf dem Parkett
tanzten sie,
und ich mit einer
im Stroboskop Licht,
scherenscharfe
Ausschnitte,
an der Bar
schaute Sie
in meine Augen,
und aus der
Menschenmenge
stach sie heraus,
wir sahen uns
schon hundert mal:
Die Frauen,
die ich niemals
ansprach
und ich,
wir passen gut zusammen. 

2.12.06 13:32, kommentieren

Smartbomb

Du hörst mich ab
und decodierst die Zeilen:

Ich bin in deine Zielerfassung
geraten :locked on,
du machst mich blind und taub
für die Alarmglocken,
benutzt den Wärmesucher
deines markierten, weichen Ziels,
durchdringst meine Hülle
aus Stahlbeton
und dein Annährungszünder
lässt dich hochgehen,
in den Weichteilen
glühen deine Schrapnelle,
und verbrannte Erde nach,
du verschwindest
per Nachbrenner,
und Tarnkappen-Technologie,
von meinem Radar
als wäre nie etwas passiert.
Ich kann mich nur selbst
vors Kriegsgericht schleppen,
wegen humanitärer Verbrechen,
aber das ist nur Augenwischerei
und Krieg entscheidet,
"who has balls"
Frieden ist ein Kompromiss,
und die Spirale hat begonnen
es ist ihre Natur, nicht zu enden,
wir sind nur eine weitere
krumme Windung,
warte nur, ich rüste auf,
bei meinem letzten
Test biologischer Waffen,
habe ich das ganze
Bikini Atoll in einem Feuersturm genommen,
und das Napalm dafür ist schon
im Körper des Feindes.
Ich weiß, dass du das abhörst,
aber du decodierst falsch,
oder hörst du etwa Sirenen? 

3.12.06 11:43, kommentieren

Fragmente III

irgendwann ist etwas wie
Wochenende und man
bricht den Rythmus
und den Schwung
und scheisst da drauf,
im Moor geht man auch schneller unter
wenn man verrückt herumstrampelt,
man geht so oder so unter
irgendwann

steht man wieder
in der Morgensonne da,
frisch geduscht
am Waschbecken,
und fühlt sich auch so,
"Gott vergibt"
das war für mich
immer so die Message
aus der Bibel,
vielleicht stimmt das,
dass

ein Mensch eine
einzigartige Frage ist,
deren einzige Antwort,
ein anderer Mensch ist
und wenn alles schon geklärt ist,
dann lässt man sich
auf kosten der Welt
halt einen ausgeben,
oder man wird erleuchtet
oder diese Sache,
mit dem Weg, der das Ziel ist,
wahrscheinlich,
ist es wie auch immer gut
von vorneherein
viel zu träumen
und mit gesunder Gleichgültigkeit
dem Schiksal zu begegnen,
was solls,
ist unerheblich,
man kann auch alles
ohne es zu wissen und

irgedenwann steht man wieder da,
in der Morgensonne,
im Frühling,
und man wirft den
Scheiss über Bord.

Irgendwann steht man da,
kann auch sein
im Winter morgens um 6
und es ist dunkel
aber daran wird man sich
nie mehr erinnern,
man erlebt es kaum

dann würde ich mich
gerne schlagen,
mitten in die Fresse,
zB wenn ich im Winter
so dastehe, im dunklen,
vor dem Waschbecken
und nur, 

Inseln der Stabilität
retten mich
sie sind wegbrechende
Treibsandbänke
aus echter Musik
in sterbenden Momenten
wie eine Bewegung in einem Tanz
oder ein Streifen Duft,
wie Griffe, an denen man sich entlang hangelt
während jeder sofort heraus reißt,
wie ein Gedichtband,
in dem jedes Gedicht ein paar Sekunden
deines Lebens retten,
Gedichte wie FastFood,
wie all you can read
wie ein kick nach einem kick
dass man geradeso nicht entschläft
so trippt man durch einen Dschungel
eine Abfloge nichtssagender Orte
zum jeweiligen Zeitpunkt
und unwillkürlichen Entscheidungen
ohne jede Alternative,
gibt man die Hand,
kauft ein Sixpack,
ruft Nummern an,
aber irgendwann steht man wieder da,
am Waschbecken,
frisch geduscht
in der Morgensonne.

3.12.06 18:28, kommentieren

Fragmente IV

Wenn du in meine Augen sehen
könntest, jetzt,
würdest du ins Fassungslose
fallen, eines Morgens,
der aufreißt wie eine Wunde
und dir würde es auch
kalt werden aber

ich bin eingehüllt
in eine schummrige Hülle
aus Vergessen gewoben,
unter einer Daunendecke
höre ich auf zu sein,
da kippt auf der Straße
ein Müllcontainer um
und ich muss an seine
kalte blecherne Innenseite denken,
und erinnere mich wieder,
hebe die Decke an,
die kalte Luft,
die sofort nach mit grabscht,
ist mir jetzt so egal
wie mir ein hungriger Grizzly
neben dem Bett wäre,
ich schaue durch Fensterglas.

Das Bild war grau
wie der Innenhof,
in der Häuserschlucht,
ohne Vorgarten,
jetzt, wo du Grün
Fläche dazu maltest
ist es ganz anders,
was so ein bisschen
Gras bewirken kann,
und was sich liebt
das leckt sich.

Ich zeige dir noch
eine lustige Stelle
in dem Gedicht
und du mir
dafür eine lustvolle
an dir, ok?
Wie viele Seiten hast du
eigentlich, wesentlich
dimensional wie Musik:
"I shiver the whole night through " /Nirvana ist geil

Du kannst mich nicht heilen
nicht kleben oder löschen,
aber ich kann dich reißen
wie ein Wolf einen Hasen schüttelt,
und du umschlinge, würge mich,
nimm mir den Atem weg,
verbrenne meine Flammen,
beiß und kratz, unterliege
winde dich heraus in die Freiheit
die ich dir schenke
wie eine Katze der Maus,
sei stolz, erhobenen Hauptes,
es war eine Schlacht
und ich hatte nichts zu verlieren
gehabt als das,
was mich jetzt ruhig macht,
sei so kaputt, so echt,
so mein: das wäre mir dann doch wichtig
ich koche auch nur mit Wasser und

ein Papier hat 1 Seite
oder 6?
es ist so flach
aber kann über dir stehen
und du im Schatten,
eines Formulars,
auf dem du nackte Tatsachen
eintragen musst
sonst kommen neue Papiere,
Mahnungen, Drohungen,
oder sie behalten was du verdient hast,
aber Worte auf flachem Papier
sind der Kontakt zu dir
und du willst es echt,
dann ist es ein gutes Papier
wie manche paper,
ohne Lasercode und Kontonummern,
ohne Fragen nach deinem Geldwert,
schick mir so ein Papier und ich
erhebe es über die Zellulose der Ämter,
und daraus werden Träume,
und unaufhaltsame Dinge
wollen existieren

Du sagst es sei leicht
solche Texte zu schreiben
und das ist es auch aber
ich gebe zu bedenken,
dass ficken auch leicht ist
und du das machst
nicht ohne gewissen Stolz,

man hängt als Mensch
immer an diesem Dreck
darauf baut das Andere auf,
es ist eine Sache der Wahrnehmung
man kehrt zurück zu den Wurzeln,
immer wieder zum verschwitzt sein
zum Ficken,
dem "Ja" und "Nein" Denken,
dem Essen und Trinken
Scheißen und Pissen müssen
aber auch wollen,
das ist nichts Neues,
nichts ist neu
wenn man es kennt,
nichts kann neu sein,
außer deinem eigenen Jetzt,
Du, und Neugeborene,
Dreck, Ja, Nein, Menschen,
einzigartig einzeln allein
teilende Empathie, Illusionen
subjektiver Wirklichkeiten,
taube Ohren aneinander vorbei
Leben.

Anleitung:
Überfliege das wie ein Gesamtbild,
und male Grün dazu wenn du willst.

So ich habe keine Lust mehr auf
solche assoziativen Texte,
sie sind die reinste Zumutung
für den Leser und für mich
sind sie etwas völlig Fremdes,
sie sind kein Traum.

4.12.06 14:28, kommentieren

Ein verrückter Text an ein lyrisches Du

Mach den Abend klar,
die Luft trüb
wir holen Sixer
wir ganzen Wichser,
nimm die knackigen Möhren,
die mit Busch
und zerbrich sie
ich schäle sie nicht: egal
wirf sie mit den Nudeln
ins kochende Salzwasser
wir essen das nachher
dann bist du ein Mensch
die Möhren sind
das Gesunde an dem Abend
und wir verweigern den Morgen
den Mohn Tag schläfern wir ein
bis wir in die Scheiß Lichter wanken
den Kaffe tanken
und erscheinen wo wir erwartet werden
erholt und in alter Frische,
"Es war lustiger als um 8
ins Bett zu gehen"
"Aber ich bin ein ordentlicher Mensch,
siehst du nicht in meinem Gesicht
dass ich meine Ficks bekomme"
"Ja, fick dich"
"Du riechst nach gekauftem Duft
und deine Pomade
diese schrecklich fade
fettige Haar Marmelade
die bewunder ich grade"
aber
du stehst unbeweglich da"
Deine Schienen wo sind sie,
wo ist dein Herz, die Angst,
wie findest du deine Ficks,
wie legst du danach deine Hand
um ihre Taille und kuschelst
du mit ihr von hinten,
die Hände vor ihrem Busen
in ihre gefaltet,
und deine Mitte wohlig
an ihren Arsch gebettet,
oder ist das ein Erledigter
Schöpfungsauftrag,
den du auf der Liste abhakst?

Jetzt sind wir im Raum
und die Fragen prallen
an deiner Krawatte ab
und ich stelle sie nicht auf
den Tisch.

Dich erschüttert aber nichts
auch keine Ficks,
und Stehfick wenn ich schon dabei bin
wollte ich immer mal bringen.
Du bist ein Mensch,
wie wir gestern waren,
als wir die Möhren zerbrochen und
ungeschält mit ins Nudelwasser geworfen haben,
weißt du wie sich meine Muskeln
angespannt haben als ich den Topf abgeschüttet habe
die Sehnen haben den Knochen gehoben
und das Gelenk hat gelenkt,
Aktionspotentiale meines Gehirns,
an dem meine Augen hängen über diese
kreuzenden Nerven,
sie waren ausgerichtet auf die Nudeln,
mein Hals war erhoben und ertrug das alles.

Du gehst nach vorne
du denkst an Morgen
du kennst Gestern
und Jetzt ist alles
unter Kontrolle
du berührst nichts
du bist tot
du weinst nicht
du wichst nicht
du wirst nur gefickt
liebloser Fleischsalat
und deine Kinder
fütterst du,
du befüllst sie
mit Essen,
rein damit,
es muss dort hinein,
du machst das,
dein Cashmir Pulli
wird nicht dreckig,
mit dem Löffel
schaufelst du es in den Mund
deines Kindes,
das komischer Weise lebt
und lacht und du registrierst es
in einer mathematischen Gleichung,
rein mit dem Essen in das Baby.

Der Tod ist eine schwarze Wand
die du schon erreicht hast
weil du nicht lebst und keine Zeit
spürst, weisst du wie sie kriechen kann,
stehen bleiben, zäh wie Kaugummi,
hast du alles erledigt,
dein Grabstein angefertigt,
einen Obelisk
mit einer Liste eingemeißelt,
alles was du erledigt hast,
jeden Tag jede Pflicht,
manchmal war auf dir Licht
aber du spürtest es nicht
du hast gerade funktioniert
wie wenn du mal musstest
und einfach so im Stehklo
deinen Schwanz rausgeholt hast
und vor allen gepisst hast
weil es nur ein bepisster Schritt
in deinem funktionierenden
Fick Leben war.

Du hattest mal Streit mit
der zarten weichen Frau
voller Ackerland zu bestellen,
und es war ein Termin zu einem Datum
sonst nichts für dich du schaust nach vorne
und da ist sie und verliert ihren Stolz
und ihr Ackerland, sie diese Blume
welk, aber sie ist dein Inventar sie
gehört zur Bettgarnitur
und sie kann auch Futter in den
kleinen hineinschaufeln wie du es machst,
aber sie schmiert nicht so den Löffel
an seinem Mund ab, dass er weint.
Sie schaut dich angewieder an,
wenn du weg schaust aber
"Nein, es ist alles ok"
sagt sie immer,
wenn du sie von dir runter drehst
nachdem deine Schwanzmechanik gekommen ist,
und sie so steif neben dir liegt.

Die schwarze Fläche,
der Tod, war sofort da
nach dem du verloren gingst,
warum hast du aufgehört zu leben,
warum hast du nicht die Möhren
mit Busch zerbrochen,
und du tupfst den Mund ab
mit einer sauberen Serviette,
warum schmierst du dem kleinen
das Essen in den Mund
warum bist du ohne eigene Haltung
du stück Fleisch auf Schienen
warum kaufst du dir einen Duft,
einen Namen, ein Haus,
du kannst doch nichts dafür.

4.12.06 16:28, kommentieren