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Ich und Ich

Das Schweigende an mir
ist besser als das Sprechende,
das Ruhende ist besser
als das Wollende,
das Unsichtbare
ist besser als das Materielle,
denn oft rede oder
schreibe ich dummes Zeug
und oft will ich etwas
aber es ist dummes Zeug
oder ich erreiche es nicht
weil ich einfach aufgebe
aber mein Körper,
was hält ihn in Ordnung?
Ich esse Gammelfleisch
mit Gen Reis aber was
ich im Spiegel sehe ist anders,
Gift kommt aus mir heraus,
damit es nicht in mir ist.
Ich sehe in jeden Bildschirm
und habe die Schule besucht
aber was ich träume
und denke ist anders,
du unbewusstes "Ich"
welches mich formt
und meine Fehler duldet
ohne aufzugeben,
ich liebe dich, dafür,
dass du mich nicht verlässt
obwohl ich schwächer bin als du.

2.10.06 13:06, kommentieren



Vom Denken

Wenn du denkst: "Denk nicht"
dann denkst du,
oder wenn du wiedermal
keine logische Erklärung dafür hast,
warum du grade nicht dieses Glücksgefühl hast,
an was du dich dunkel erinnern kannst,
dann mach dir doch eine Geschichte
mit einem Fluss, einem Weg und einem Stein
irgendwas beliebiges eben.
Damit kannst du das Leben erklären
und den ganzen Sinn-Quatsch,
glaub mir das ist ganz leicht:
"Der Fluss ist überall zugleich,
der Stein ist auch lebendig,
der Weg ist das Ziel,
du weisst schon...blabla;
Sag mal wann macht der Dönerladen eigentlich zu?"

2.10.06 13:20, kommentieren

Deutschland

Jedes Land ist netter,
als dieses Grau in Grau,
es fehlt ihm jedes Wetter
an einem Himmel ohne Blau
regnen Wolken ohne Pause
auf Bäume aus Beton,
sie wurzeln im Asphalt,
ohne Wiesen ohne Gras,
und Träume, die davon
geblieben werden kalt,
wie die Riesen dort aus Glas.

Da sind Menschen aller Farben,
die in den Straßen gehn und stehn
von frischem Tabak-Teer qualmen,
und einzig schön mir anzusehn,
auf versteinerten Narben,
ein Mädchen, wie Strand und Palmen,
das den Teer unter sich erweicht;
Wie sie nur ihre Farbe hält
in diesem Land,
in dem alles
verbleicht.

3.10.06 13:34, kommentieren

E-220

2 Menschen wollen sich
durch Plexiglas küssen
und berühren
sie bekommen Essen
aus Plastikpackungen
mit langen Zutatenlisten
und machen sich psychopathische
Liebeserklärungen
ihre Pole ziehen sich an
aber da ist das Plexiglas
und die Krankheit im Kopf
da ist etwas
da zwischen
dieser kleine Splitter
durch den die Angst leckt
die sie umpolt,
und Türen ins Schloss fallen lässt.

 

Der Splitter,

ist die Anlage des Gegenteils
in allem was irgendwie ist:
der Knopf im Paradies,
der es zur Hölle macht
der Moment, der Liebe
zu Krieg werden lässt,
der im Licht
den Schatten wirft,
du findest ihn immer
den Splitter,
willst du lieber
den Nordstern
in der Sonnenfinsternis
oder ein Melanom
auf weißer Haut,
die du küsst
haben.

4.10.06 13:45, kommentieren

Paranoia und dankbares Lächeln

Ich habe noch nicht die Rechnungen beglichen,
das Geld müsste längst überwiesen sein
und Mahnungen drohen mir schwarz
auf weiß- außerdem werde ich Prüfungen nicht bestehen
und draußen steht der Müll
der untrennbar geworden ist und voller Maden,
die Menschen drehen sich nach mir um und
wer mich kennt redet über mich in einem
Tonfall, der bei mir ein Fight & Flight Syndrom auslöst.

Sie kommen mich holen,
ich kann ihre Autos hören,
ihre Stimmen in der Straßenschlucht,
Schritte im Treppenhaus,
sie warten leise vor meiner Türe,
dann tritt der Vermieter sie ein,
der alte  Holzboden knarrt,
ich flüchte aus dem Fenster
aber draußen wartet einer auf mich
und hält mir einen Ausweis unter die Nase:
Er ist von der Staatsbereinigung
dann knallt er mich ab,
den Leichensack bekomme ich geschenkt,
und röchele noch "Danke".

4.10.06 18:21, kommentieren

Topographie

Licht spielt die Tonleiter
der Farben vom
Hellen ins Dunkle hinab,
von dem, was gefestigt
am Sichtbaren nippt
über schattige Augen Weiden
in die Dämmerung der Talsohlen,
wo das Verhüllte und Abgetauchte
aus Tiefen schreit,
alles sein zu können
und reizend hinter der Stirn explodiert
Farbe, die Form bar wird
unfassbar begreiflich
unhaltbar verlangend
versucht zu werden
betont, angehoben
das Einnehmende ,
geduldig Herausfordernde,
angehalten :
das Verschlingende
was als Welt übrig bleibt,
tiefgründige, feuchtmündige,
ringumrundet pochende
Gezeit,
von verdrängter Spannung federnd,
und wiederkehrend
entlang gleitend,
beengend,
Raum schaffend,
zu Bändigendes,
hauchdünn, lechzend unterliegend
und doch siegt
das Entlarvte:
pulsierend
implodiert etwas,
Lawinen
dringen dort hin vor.

7.10.06 16:50, kommentieren

Aufwachen

ich habe irgendwas im Kopf
scheisse:
es ist ein Kater,
ich habe irgendwas im Mund,
scheisse:
es is meine Zunge,
ich atme jemandem ins Gesicht
scheisse:
es ist die von gestern,
ich erinnere mich wer ich bin
scheisse:
ich bin ich.

7.10.06 16:51, kommentieren