Über Leben

Ich habe gelernt dass weder Regen
noch die Kälte mich aufhalten können
solange im Strom Kreis Musik läuft
und mein Kopf Hörer dicht hält
und selbst wenn er ausfällt
und die Schuhe nass werden
bis auf die Haut bleibe ich
mir selbst vertraut
solange ich denken kann
an dich lebe ich
über den Dingen.

11.11.07 17:50, kommentieren

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Ursprünglich

Die Quelle aus der Quellen werden
für Licht und Texte Wolken und Dunkelheit
für das schwarze Meer und das Rote
trocken Flüsse träumen ihr Bett feucht
von dem Geruch nach Regen im Staub

Dort dachte ich das erste mal ich
verliebte mich und sagte das erste mal ich
liebe dich dachte ich und sagte das erste mal du
verliebte mich und sagte das erste mal dich
und verliebte mich und verfloss in
tausend Mündungen

als müsste es einmal wieder sein
dass der Regen fällt auf
eine Wange die ich deine nenne
und so nennst du meine
und sagst komm wir
hier nehme ich es dir aus dem Mund
und gebe dir die nassen Hände
an deine salzigen Wangen

wir verschwimmend
an den Oberflächen Spannung
im Film in den man eintauchen kann
übereinander gelegt in die Tiefe
sprühen.

11.11.07 13:28, kommentieren

Behutsam

Ein Sonntag auf einem unbeschriebenen Blatt
lichtet leise Anker im Fahrwasser auslaufen
ohne dass ein Lebewesen geweckt wird
die alten Lieder von früher geben ein Konzert
das niemand hören kann

ich geriet eine Weile in diesen Sprachmodus
das zerbrechliche Licht ist zum Weinen
die Morgenluft kühlt die Augen erscheinen
sagte ich nicht auch solche Worte zu Menschen
reduzierten wir nicht die Welt auf uns

erwachte ich nicht in dir und du in
meinem Arm hielt er dich nicht / warm
ich dachte du legtest deinen Schlaf
sachte in meine Hand die deine Brüste traf
wenn du dich noch mal herumbewegtest

diese Sprache wird nicht mehr gesprochen
sie liegt auf Feldern zur Brache
auf Papier geschrieben und gefaltet
zu einem Schiff und sie erkaltet
sinkend ungebrochen in allem Lieben

zu diesen wunderbaren Wesen
die sind und werden und waren gewesen
sie lesen im Klaren
Schweigen auf meinem Mund
sich in den Schlaf, sich gesund.

 Ich begann Behutsam zu schreiben
und jetz sowas. 

11.11.07 12:13, kommentieren

Schlüsselqualifikation

Ich widme dir meine Fähigkeit
zur Unzurechnung
du bist so unberechenbar
zahllos sind meine Versuche
deiner Formulierung hinter der Schönheit
Unbekannte Dunkelziffern Blatt
im Wind wer kennt deinen Flug?
ich schätze deinen Wert für
den Moment unaufwiegbar
dich nicht zu küssen

10.11.07 14:17, kommentieren

Mit Tuch vor dem Mund

vermummt im Staub verstummt und taub sind die Momente selten geworden an denen das Leben aufbricht nordsternwärts sein Saft heraus mich nährt verschlossen wandernd mit meinem Feuchtigkeitsvorrat durch ein wüstes Land zehre ich sparsam an ration(alis)ierten Erinnerungskonserven mit dem Kompass in der Hand der mir eine Richtung des Himmels zeigt wandere ich Luftlinie abgeschirmt von der Strahlung und nuklearem Wind auf der Karte verzeichnet ist die nächste Oase die in alter Schrift überlieferte träum ich Tag in grün auf einem Negativ trage diese Farbe in mir um sie nicht zu vergessen die Nomadin wird mir das Bild in ihrem Bad aus Eselstutenmilch entwickeln sie ist noch nicht in meinem Zeitfenster nur Vision in den Sandwehen über Dünen was mich aufrecht hält und meine Wurzel tränkt in klarer Nacht wenn die Wärme ungehindert ins Weltall weicht bin ich in mir versunken Pfade findend für das Morgen Land auf dem blauen Planet dreht sich der Sonne entgegen es atmen seine Wälder Regen ruhig im Schlaf vertieft
die heißblutjungen Mädchen auf dem Rapsfeld sind Raif
vor Kälte rauh
zeichnet es sich ab.

8.11.07 19:55, kommentieren

Kleinkariert geduckt gedruckt

der Gesetzesentwurf in der
vergewaltigten und nacktesten Form
deutscher Sprache
auf dem verbeamteten Strassenstrich der
Druckbuchstaben sieht ein Formular
in Maschinenschrift vor
um Liebe zu verbieten da sie
körpereigene Drogen ausschüttet
die zu schwer nachweisbar sind
um sie zu besteuern
und keiner daran Geld verdienen kann
ausserdem muss diese Grauzone
betoniert werden aus Rücksicht
auf all die unheilbaren Handlanger
und Schattenmenschen die
jegliche Fähigkeit sie zu konsumieren
im Dienst verloren habe

 

[Anmerkung des Autors:
oder auch "das Kleingedruckte"
eigentlich mag ich keine politischen Gedichte,
ich mag auch keine Politik, aber ich mag Manu Chao
und er sagt auch: politic kills.
Peace & read on human being.] 

8.11.07 17:27, kommentieren

Schatten Pflanze

das kühle grüne Gefieder
hat sich hereingeneigt
durch Stäbe im Mauerwerk der Räume
filigranes Wehen im Wind Schatten spielend
das Gras noch nass vom Sonnentau
und Akazienblüten Staub klebt an Fingerabdrücken
ein lautloser Kolibrie hinterlässt keine Spuren
in der Erinnerung auf dem Frauenmantel
perlen Träume ab ins frisch geschnittene
noch nasse Gras entlang dem Ausschnitt
läuft silbern eingefasste Jade geschmeidig
im seidenen Abendkleid unfermentiertes Chrlorophyll
komm wir vergehen im Wehen
unschuldig gesägter Blätter
der schlanken Halme über uns geneigt
unbeugsam im Nachtschatten entrückt
verdunstet Parfum aus den Poren
was sind das nur für dunkel blau
getönte Scherenschnitte und Quellwolken
aus denen das Harz blutet
an schwarzen Samthandschuhen
abgestreift / sich ihrer entledigen
um hautnah im Film zu sein. 

6.11.07 19:42, kommentieren